‘V’ wie völlig überflüssig: Wird VDSL zum Flop?

T-ComSofern die Absichten Wirklichkeit werden, und die Deutsche Telekom in Zukunft ihre Triple Play Pakete samt T-Home über DSL anbietet, stellt sich die Frage, wozu es überhaupt VDSL geben muss. Mit Sicherheit wird man in einigen Jahren hohe Bandbreiten im Bereich 25 oder 50 Mbit/s Downstream benötigen, da es neue Dienste und Anwendungen voraussetzen, aber heute? Vor allem das Argument von HDTV zieht angesichts der bescheidenen Verbreitung und Angebote noch nicht wirklich. Dass sich das in Zukunft ändern wird, steht außer Frage, ist aber kein Grund einen IPTV Service ausschließlich über VDSL zu vermarkten.

Dass dies nun auch die Telekom selbst erkannt hat, lässt Politik und Konkurrenz aufhorchen. Wo bitte ist dann das Argument für eine Regulierungsfreiheit für VDSL? Wie es scheint ist das Produkt T-Home doch nicht so innovativ, dass es nicht auf einer herkömmlichen Technologie funktionieren könne. Das ist eine Tatsache, die den Experten schon von Anfang an klar gewesen ist, die jedoch bei der Entscheidung über die Regulierung wohl nicht ausschlaggebend war, denn das Urteil fiel zugunsten der Telekom aus. Nun muss man sich wohl eine neue Argumentation einfallen lassen, um den Mehrwert von VDSL herauszustellen.

Kann man nun behaupten, VDSL ist gefloppt? Für’s erste sicherlich ja, denn der Strategiewechsel ist sicherlich auch eine Reaktion auf die geringe Kundenzahl, die man in den ersten Monaten aquirieren konnte. Die nicht kommentierte Zahl von 25.000 Abonnenten sind zwar nicht wenig, aufgrund der hohen Investitionskosten seitens der Telekom aber sicherlich zu gering, um sich refinanzieren zu können. Überhaupt wird der Telekom vorgerechnet, dass sie pro VDSL-Nutzer 1300 Euro Verlust macht.

Doch kann man ernsthaft mehr Kunden erwarten? Angeschlossen sind 12 Städte und mittlerweile insgesamt 5,5 Millionen Haushalte. Doch das bedeutet nicht, dass auch 5,5 Millionen Interessenten da sind. Abgezogen werden Haushalte ohne Internetaffinität oder solche, die mit niedrigen Bandbreiten oder sogar ISDN völlig zufrieden sind. Abgezogen werden auch viele Millionen, die mit ihrem Kabelanschluss, DVB-T oder Satellitenempfang mehr als bedient sind, bzw. diese Anschlüsse garnicht kündigen können. Und wiederum einige schrecken nicht zuletzt vor den Preisen zurück. Erwartet man angesichts dessen trotzdem mehrere Hundertausend Kunden, kann man dies fast als realitätsfern ansehen.

Aber all das soll nicht heißen, das VDSL völlig überflüssig ist. Wie jede “Innovation” braucht es Zeit, bis sich die Kunden dafür finden. In Zukunft wird es auch entsprechende Anwendungen geben, die diese Bandbreiten nachvollziehbar ausnutzen. Nur ist das bis heute nicht der Fall.

Vielleicht sollte man sich ausnahmsweise mal am Kunden orientieren, anstatt ihm zu sagen, was er in Zukunft zu wollen hat. Vielleicht kommt man dabei auch auf die Idee VDSL entbündelt, also ohne IPTV anzubieten. Der Schritt “zurück” auf normales DSL ist auf jeden Fall schon mal einer in die richtige Richtung.

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