Die Fernsehmesse 2014 – Lokal-TV orientiert sich neu

Anfang der Woche fand in Leipzig die Fernsehmesse der SLM statt. In zahlreichen Workshops und Diskussionsrunden wurde dabei der aktuelle Wandel der Lokal-TV-Veranstalter unter die Lupe genommen. Es herrscht Aufbruchsstimmung – und die Debatte um die Analogabschaltung wirkt als Katalysator.

Fachkongress im Herzen Sachsens

In Leipzig fand vom 6. bis 7. Oktober die Fernsehmesse 2014 statt. Die Fachmesse der Sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (SLM) wurde gemeinsam mit dem Kabelkongress des Fachverband Rundfunk- und Breitbandkommunikation (FRK) abgehalten. Sie richtete sich mit einem umfangreichen Kongress-Programm, bestehend aus Podiumsdiskussionen, Vorträgen und Workshops, ebenso an Veranstalter von lokalen Rundfunkangeboten wie an Netzbetreiber und Medienpolitiker.

Vermarktung mit Hindernissen

Am Montagnachmittag wurde die Fernsehmesse mit mehreren Workshops im Bayerischen Bahnhof im Herzen von Leipzig eröffnet. Dabei stand zu Beginn der Veranstaltung die Vermarktung von Lokal-TV im thematischen Mittelpunkt. Während die lokalen Sender sich vor allem über den Verkauf von Werbeplätzen an lokale und regionale Unternehmen finanzieren, bleiben mittelständige und nationale Werbe-Töpfe für die Veranstalter unerreichbar. Die Gründe dafür sind vielfältig, wie René Falkner, Geschäftsführer der Sachsen Fernsehen GmbH erklärte. Demnach fehle es neben einem einheitlichen Qualitätslevel an großen Reichweiten und deren Nachweis in Form von Zahlen des GfK-Panels, die als harte Währung im TV-Werbemarkt zählen.

Blick nach Österreich

Das Hauptproblem sei laut Falkner jedoch anderer Natur: “Lokales Fernsehen hat es in Deutschland noch nicht geschafft, als einheitliche Marke aufzutreten“, diagnostizierte er. Anstatt gemeinsam im Verbund größere Werber anzusprechen, versuche jeder Lokal-TV-Veranstalter seine eigenen Kunden zu bekommen. Dieses Vorgehen sei jedoch deutlich ineffektiver, so Falkner. Marcin Kotlowski von R9 Regional TV Austria zeigte am Beispiel Österreich, wie ein solches Modell aussehen kann. Dort hat das Unternehmen R9 die Vermarktung der neun größten Lokal-Sender des Landes übernommen – und greifen so größere Etats von nationalen Werbern ab.

Neue Einnahmen gesucht

Auch am zweiten Tag der Fachmesse im CCL der Leipziger Messe lag der Fokus auf Lokal-Fernsehen. Während in vielen der Podien die Bedeutung der breitflächigen Verfügbarkeit lokaler Sender auf allen denkbaren technischen Übertragungswegen und TV-Plattformen betont wurde, zeigte sich, dass Lokal-TV mittlerweile ohne zweites Standbein kaum mehr auskommt. So sind mittlerweile immer mehr Sender auch in der Produktion für andere Auftraggeber tätig oder liefern zusätzlich Beiträge an lokale Zeitungen. Auch die bestehenden Archive bieten ein Potential für weitere Umsätze bei den lokalen TV-Stationen.

Streitpunkt

Heiß diskutiert wurde zur Fernsehmesse ebenfalls die Analogabschaltung in den Kabelnetzen. Während eines Podiums zum Thema Digitalisierung, bei dem unter anderem über die treibenden Kräfte wie HD-Programme gesprochen wurde, lieferten sich die Vorsitzenden von FRK und SLM, Heinz-Peter Labonte und Martin Deitenbeck, einen Schlagabtausch. Während Labonte die Verschiebung der Analogabschaltung von 2014 auf 2018 durch den sächsischen Gesetzgeber kritisierte, verteidigte Deitenbeck die Entscheidung. Die Vorbereitungen zur Abschaltung im Kabelnetz sei „verpennt“ worden, wie der SLM-Mann sagte. Eine Abschaltung für 2018 sei um ein vielfaches realistischer – vor allem auch deshalb, weil der sächsische Digitalisierungsgrad (2014 bei 66 Prozent) jährlich um etwa 7 Prozent zulegt. Mit dem Termin 2018 wolle man zudem die anderen Bundesländer mit ins Boot holen, um das analoge Kabel-TV deutschlandweit abzuschalten. Für die Lokal-TV-Veranstalter ist die Verschiebung der Analogabschaltung beinahe ein Segen: Sie können nun den für sie verhältnismäßig teuren Umstieg in Ruhe planen.

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