ANGA COM 2014: IPTV, eines der Messe-Highlights

Auf der ANGA COM 2014 standen in Köln Trend-Themen wie Ultra HD und Video-on-Demand im Mittelpunkt. Aber auch IPTV gewinnt im TV-Markt zunehmend an Bedeutung.

Erfolgreiche Bilanz

Mit einem gewachsenen Interesse hat vom 20. bis 22. Mai die ANGA COM 2014 in Köln stattgefunden. Über 17.000 Besucher zählten die Veranstalter im Verlauf der Fachmesse für TV und Breitband, was einem Teilnehmer-Plus von 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Vor allem das Kongress-Programm erlebte einigen Zuwachs, denn mit 2000 Gästen konnten die Panels und Vorträge 15 Prozent mehr Publikum begeistern, als noch im vergangenen Jahr. Dafür dürfte wohl auch die Kooperation mit dem Medienforum NRW mitverantwortlich sein, das 2014 erstmals gemeinsam mit der ANGA COM 2014 stattfand.

VoD vor dem Massenmarkt

VoD PanelEines der dominantesten Themen der Messe war ohne Frage Video-on-Demand. Dass die lang erwartete, offizielle Ankündigung von Netflix, noch in diesem Jahr in Deutschland zu starten, ausgerechnet auf den Termin der ANGA COM viel, heizte die Gespräche zum Thema weiter an. Gleich mehrere Diskussionsrunden und Vorträge widmeten sich dem Thema VoD. Dabei war die übereinstimmende Meinung der Experten, dass die Abruf-Angebote kurz vor dem Eintritt in den Massenmarkt stehen. Das Abo-Modell sieht dabei nahezu jeder als kundenfreundlichste Lösung an. Ob das jedoch als Stand-Alone-Geschäftsmodell tauge, hinterfragte vor allem Sky-Manager Dr. Holger Enßlin. Er sieht auch auf der Inhalte-Seite ein Problem: VoD meint heutzutage eigentlich immer Inhalte, die schon einmal im Free-TV gelaufen sind. Zu günstigen Preisen sei ein Premium-Angebot, wie SkyGo es ist, nicht realisierbar.

Scharfer Wettbewerb erwartet

Mit dem Start von Netflix wird ein scharfer Wettbewerb unter den VoD-Anbietern erwartet. Marc Schröder, Geschäftsführer von RTL interactive, wagte auf der ANAG COM sogar die Prognose, dass dabei einzelne Anbieter das Zeitliche segnen werden. Der deutsche Markt vertrage im Bereich VoD keine vier bis fünf Anbieter im Billig-Preissegment. Als Folge der Bereinigung, werden dann jedoch auch die Preise für Abruf-Abos wieder steigen. Es zeigte sich außerdem, dass Kinder-Inhalte bei VoD-Portalen unterdessen immer wichtiger werden, denn je jünger die Zuschauer sind, desto mehr Content konsumieren sie auf Abruf. Die VoD-Anbieter erziehen sich so quasi bereits ihre Kunden von morgen.

Ultra HD nimmt Form an

Eines der weiteren Kernthemen der ANGA COM 2014 war Ultra HD. Während Unternehmen wie Samsung und Humax bereits erste Receiver für Ultra-HD-Signale vorstellten, wurde im Rahmen des Kongress-Programms über die notwendigen Schritte zur Einführung gesprochen. Die Satelliten-Betreiber sehen sich schon bereit, um erste Kanäle in UHD zu starten – und auch über Kabel und Terrestrik ist die Ausstrahlung über DVB-C2 und DVB-T2 bereits möglich. Jedoch fehle es derzeit noch an einheitlichen Vorgaben für die eingesetzten Decoder in den Empfangsgeräten. Dafür will die EBU (Europäische Rundfunkunion) die Einführung von 4K in zwei Schritten durchführen. Im ersten Zug sollen dabei noch in diesem Jahr die Spezifikationen für Ultra HD mit 2160p und den nötigen 60 Hz Bildwiederholfrequenz gesetzt werden, die dann im Jahr 2015/16 zum Einsatz kommen können. Im zweiten Schritt ist die Fertigstellung der Spezifikation von 2160p mit bis zu 120 Hz und weiteren Features wie HDR und höherer Bit-Tiefe für mehr Farben angedacht. Eine Umsetzung ist hier jedoch erst für 2017/18 geplant. Unterdessen ist in Japan schon die Entwicklung einer 8K-Auflösung angelaufen, die zu Olympia 2020 in Tokyo einsatzfähig sein soll. Mit einer Auflösung von 4320p wird das Bildformat ebenfalls als Ultra HD (UHD-2) bezeichnet. In Europa will die EBU diesbezüglich jedoch vorerst noch abwarten.

Personalisierung des Fernsehens

Personalisiertes Fernsehen war ein weiteres großes Thema zur ANGA COM. Im Rahmen eines Panels der Deutschen TV-Plattform, wurde über die Rahmenbedingungen für die Umsetzung von personalisierten Funktionen und Angeboten diskutiert. Ob für die persönliche Programm-Zusammenstellung im EPG oder on-Demand, neue Angebote für mehr Barrierefreiheit oder interaktive Dienste, wie sie das ZDF ab Juni über HbbTV für die Highlights von WM-Spielen anbieten will – es gibt mittlerweile eine Vielzahl von Möglichkeiten der Personalisierung. Dabei sei vor allem wichtig, dass man dem Zuschauer noch besser erkläre, was Smart TV eigentlich ist, wie Wolfgang Elsäßer, Chef von Astra Deutschland und Vorstandsvorsitzender der Deutschen TV-Plattform, sagte. Neben einem Überblick über die Funktion von Empfehlungssystemen, stand auch der Datenschutz auf der Tagesordnung. Während Vertreter von RTL die Datenschutz-Debatte als zu emotional geführt sehen, ermahnten ZDF-Vertreter, die Probleme mit der unkontrollierten Weitersendung von Daten nicht zu verharmlosen. Elsäßer betonte jedoch, dass die Datensammelwut bei Smart TVs bei weitem nicht so hoch sei, wie bei den weit verbreiteten Smartphones.

IPTV gewinnt an Bedeutung

Wie auf der ANGA COM weiterhin zu beobachten war, wird auch IPTV als Übertragungsweg immer bedeutsamer. Nachdem Unternehmen wie Telekom und Vodafone hierzulande bereits seit Jahren auf die IP-basierte Übertragung von TV setzen, werden nun auch immer mehr kleinere Netzbetreiber auf die Vorteile von IPTV aufmerksam. Dementsprechend war eine erhöhte Verfügbarkeit von entsprechenden Lösungen sowie eine gestiegene Nachfrage nach IPTV auf der ANGA COM erkennbar. Davon profitieren auch Unternehmen wie der Internet-TV-Anbieter Zattoo, der aufgrund seiner langjährigen Erfahrung im Bereich von IP-basierten TV seit zwei Jahren im B2B-Geschäft tätig ist und kurz vor der diesjährigen ANGA COM ankündigte, erstmals für einen Partner (Telecom Lichtenstein) ein komplettes IPTV-Angebot umzusetzen und zu betreuen. In Zukunft will Zattoo in diesem Bereich auch für andere Unternehmen in Märkten wie Deutschland oder der Schweiz tätig werden. Auch für die Free-TV-Sender und Pay-TV-Anbieter wie Sky führt damit kein Weg mehr an IPTV vorbei: „Kein Distributions-Unternehmen kann es sich in Zukunft mehr leisten, Inhalte auf einer Plattform nicht anzubieten“, wie Dr. Holger Enßlin von Sky Deutschland auf der ANGA COM deutlich formulierte.

Bildquelle: IPTVToday.de

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