Kabel, SAT, DVB-T oder IPTV – Welche Empfangsart ist besser?


Vor ein paar Dekaden war die TV-Welt noch simpel, wenngleich nicht so bunt und vielfältig. Das TV-Programm kam über die Hausantenne. Manch einer hatte sogar „Satellit“. Heut sind die Möglichkeiten des TV-Empfangs weit größer. Stellt sich die Frage, was ist besser für mich geeignet?

Beste Lösung für den TV-Empfang

Zugegeben, die Überschrift ist etwas irreführend. Denn „die beste“ Lösung gibt es wahrscheinlich nicht – alle haben Vor- und Nachteile. Im Folgenden wollen wir kurz für Kabel, SAT, IPTV und DVB-T2 diese beleuchten und eine kleine Entscheidungshilfe geben.

TV über Kabel …

… ist noch des Deutschen liebste Empfangsquelle für TV. Knapp 46 Prozent beziehen das Fernsehprogramm vom örtlichen Kabelanbieter[1]. Kabelfernsehen hat in der Tat viele Vorteile. Es ist weniger störungsanfällig und bietet meist eine ausgezeichnete (digitale) Bildqualität. Auch HDTV-Sender werden selbstverständlich angeboten, sowie On-Demand-Dienste für Filme. Die Nachteile finden sich darin begründet, dass es Regionen und Orte gibt, wo es kein Kabel-TV gibt. Auch nicht jeder Vermieter hat im Haus die Dosen ausgerüstet. Hauptargument gegen Kabel ist für viele Verbraucher jedoch der Preis. Je nach Tarif und Umfang, liegt der durchschnittlich Monatsbetrag für den TV-Anschluss zwischen 15 und 25 Euro. Auf das Jahr gerechnet ein stolzer Betrag! Hinzu kommen nicht selten noch anteilig Kosten für die Smart-CI+ Cards, sofern der Tuner im Fernseher genutzt werden soll. Für die Adapter berechnet Vodafone z.B. einmalig 79 Euro. Bei mehreren Geräten wird dies schnell ein kostenintensiver Spaß. Die größten Kabelanbieter in Deutschland sind übrigens Unitymedia (NRW, Hessen, Baden-Württemberg) und Vodafone Kabel TV (Rest).

Kabelfernsehen (GigaTV) von Vodafone | Bild: Vodafone

SAT TV …

… wird von vielen als „kostenlose“ Ultima Ratio in Sachen TV-Empfang gelobt. Immerhin rund 47 Prozent[1] setzen daher auch auf SAT, gleich nach Kabel-TV. Doch ganz ohne Tadel ist natürlich auch dieser Empfangsweg nicht. Denn zunächst sind die happigen Anschaffungskosten zu berücksichtigen. Für eine gute Anlage mit Top-Receiver sollten, samt fachmännischer Installation, schon gut 300-400 Euro eingeplant werden. Besonders das Zubehör, also hochwertige Kabel, Adapter, Fensterdurchführungen oder ggf. Balkonständer und Befestigungen, läppern sich bereits erheblich. Für die HD-Programme (RTL etc.) fällt zudem eine jährliche Gebühr von aktuell 70 Euro an – Stichwort HD+. Bei schlechtem Wetter drohen zudem Bildstörungen bis zum Totalausfall (Unwetter). Auch gilt zu bedenken, dass für jeden Fernseher entweder ein eigener Receiver benötigt wird, sofern dieser nicht selbst über ein integrierten Receiver verfügt. Größtes Manko für SAT – nicht jeder kann oder darf es installieren. Gründe können sein die falsche Lage, so dass die Schüssel nicht richtige ausgerichtet werden kann. Oder der Vermieter, der die Anbringung untersagt.

Demgegenüber freuen sich SAT-Nutzer aber über technisch mit die beste Bildqualität, die höchste (potenzielle) Senderzahl und vergleichsweise niedrige, monatliche Kosten. Rechnet man nämlich im betriebswirtschaftlichen Sinn die oben genannten Einmalkosten auf 4-5 Jahre Betriebszeit, so betragen die monatlichen Kosten ebenfalls gut 10-15 Euro. 4-5 Jahre deshalb, weil die Technik rasch voran schreitet. Wahrscheinlich soll oder muss nach einigen Jahren ein neuer Receiver her – Stichwort UltraHD. Das zeigt auch gerade die finale Umstellung von DVB-T zu DVBT2 im März 2017. Sämtliche Altgeräte ohne DVBT-2 Unterstützung mussten ausgetauscht werden. SAT-Antenne samt LNB wiederum, sind Verschleißteile welche der Witterung ausgesetzt sind. Die Mär vom kostenlosen SAT-Empfang ist also eher etwas für alle die nicht rechnen können.

DVB-T2 …

… wird ebenfalls als das vermeintlich kostenlose TV angepriesen. In der Tat war der Empfang auch lange Zeit (bis März 2017) praktisch gratis. Seit der Umstellung auf das neue DVB-T2 fallen zumindest dann Kosten an, wenn man die privaten Sender genießen möchte. Diese werden nämlich nur noch in HD übertragen, so dass die Gebühr dann zwingend fällig wird, sofern man nicht verzichten möchte. Ähnlich wie bei SAT-TV, fallen um die 5 € monatlich an. Künftig wird der Betrag aber mit Sicherheit auf gut 6 Euro klettern. Zudem benötigt man, sofern noch nicht vorhanden, neue Endgeräte, da die bisher genutzten alten DVB-T Receiver, Sticks und Module nicht kompatibel sind zum neuen DVB-T2. Wer bisher terrestrisch ferngesehen hat und dabei auf den internen Receiver vom Fernseher setzte, muss auch nachrüsten, falls das integrierte Modul nicht kompatibel ist. DVB-T-Receiver sind glücklicher weise nicht sonderlich teuer und für 30-100 Euro im Handel erhältlich. Wie z.B. hier bei Amazon

Während das „alte DVB-T“ leider mit vielen Kinderkrankheiten kämpfte, ist DVB-T2 deutlich Nutzerfreundlicher. Endlich wurde die Verbreitung der Sender bundesweit größtenteils harmonisiert. Zuvor gab es einen regelrechten Flickenteppich. Während Nutzer in Stadt A z.B. über 15 Sender schauen konnten, waren es in Stadt B 50 km weiter mitunter nur 5 Sender. Auch die Bildqualität hat mit DVB-T2 einen echten Quantensprung erlebt. Erstmals wird in Full-HD mit 1080p ausgestrahlt – also sogar progressiv (Vollbilder), statt interleaced (Halbbilder). Damit übertrumpft DVBT-2 in dieser Hinsicht sogar teils Kabel-TV.

DVBT2 Receiver

DVB-T ist jedoch auch relativ störanfällig durch Witterung und Umgebung, da es sich um eine Funktechnik handelt. Eine zusätzliche Antenne macht daher oft Sinn. Die Qualität ist aber gerade in den städtischen Gebieten durchweg gut.

Ausgebaut wird DVB-T2 übrigens seit Mitte 2016. Der Regelstart erfolgt Anfang 2017 und bis ca. 2019 soll bundesweit die Abdeckung dem der alten Technik entsprechen. Fazit: DVBT-2 ist keinesfalls kostenlos aber günstig. Für Gelegenheitsgucker sicher eine Option. Wer mehr Sender, wie Pay-TV, Sky, etc. will, sollte besser zu IPTV, Kabel oder SAT greifen.

IPTV …

… sollte in unserem Artikel natürlich nicht fehlen. Schließlich sind wir ein IPTV-Blog :-)
Noch kommt dieser Empfangsweg in Deutschland nur auf gut ca. 9-10 Prozent Verbreitung (rund 3,5 Mio. Kunden Mitte 2017). Das sagt aber noch nichts über die Qualität von IPTV aus. Vielmehr handelt es sich um eine sehr junge Technik. IPTV hat den schlagenden Vorteil, zusätzlich Interaktivität zu bieten. Haben Sie eine Sendung verpasst, hilft das Mediathek-Archiv bei Entertain. Hier finden sich viele Sendungen der letzten Tage. HDTV kann IPTV natürlich ebenso bieten, wie den Zugriff auf eine Onlinevideothek. Bei der Telekom sind es zurzeit gut 50.000 Titel. Ständig kommen neue, interessante Features hinzu. In naher Zukunft könnte IPTV daher DER Empfangsweg schlechthin werden. Seit Mitte 2016 punktet das neue “EntertainTV” der Telekom zumdem mit neuen interessanten Features, wie “Restart”. Dabei lassen sich bestimmte Sendungen die bereits laufen wieder von Anfang starten, wie bei einer DVD. Auch für das superscharfe Ultra-HD ist IPTV bestens gerüstet. Über Netflix und Amazon fire TV sind z.B. schon dutzende Serien und Filme per Streaming abrufbar.



Der Nachteil von IPTV ist, dass man einen sehr schnellen Internetzugang bei einem der beiden IPTV-Anbieter (Vodafone, 1und1 oder Telekom) benötigt. Bei Vodafone TV reichen ca. 6 MBit pro Sekunde. Bei der Telekom sollte es 16 Mbit/s sein. Für HDTV idealer Weise sogar 25 MBit. Auch wenn herkömmliches DSL prinzipiell reicht – richtig Spaß macht die Sache freilich damit noch nicht, da die Leitung dann schon sehr strapaziert wird und man nebenher besser keine größeren Downloads mehr durchführt. Bei Vodafone reichen übrigens 12 MBit für HD-Qualität (laut Anbieter) aus. IPTV ist also leider noch längst nicht für jeden verfügbar. Wie auch bei Kabel und SAT, benötigen Sie einen IPTV-Receiver, der gemietet oder gekauft werden kann. Diese werden aber vom IPTV-Anbieter bei Neukunden gestellt.

IPTV ist zu teuer!?

Das Gerücht hält sich beständig, da viele vom Endpreis auf den Preis von IPTV schließen. Das IPTV-Paket „Entertain“ von der Telekom, gibt in Verbindung mit einer Doppelflat ab ca. 44.95 € im Monat. Klingt zunächst viel, aber enthalten ist auch eine Surfflat mit 16 Mbit/s und eine Festnetzflat für kostenlose Gespräche in das bundesweite Festnetz. Alle Gebühren für den Telefonanschluss werden ebenfalls abgedeckt. Dieses Paket kostet sonst unter dem Namen „MagentaZuhause“ ab 34.95 € monatlich. Bleibt für IPTV also eine Differenz von gerade mal 10 Euro, inklusive Receiver. IPTV ist somit günstiger als Kabel-TV! Überzeugen Sie sich doch selbst auf www.telekom.de/entertain von den zahlreichen Vorteilen des IPTV-Angebotes der Telekom.

Fazit:
Der ideale TV-Empfangsweg hängt von vielen Faktoren ab. Wohnort, Lage, Ansprüche, Zukunftstauglichkeit und die preislichen Vorstellungen sind relevant. Was bei Ihnen zutrifft, müssen Sie leider alleine entscheiden…

Webtipps zum Beitrag:

» IPTV Anbieter Übersicht
» Telekom IPTV
» Vodafone IPTV

[1] Quelle: Statistisches Bundesamt | 2016

5 Comments on "Kabel, SAT, DVB-T oder IPTV – Welche Empfangsart ist besser?"

  1. Sehr gute Gegenüberstellung – auch wenn der Preisvergleich mit dem Kabel vielleicht etwas hinkt ;-)

  2. Rüdiger Klein | 26. January 2016 at 15:55 |

    Falls der Artikel noch aktuell sein sollte, ein Kommentar aus heutiger (2016) Sicht:

    Bei Kabel bezahlt man horrende Summen pro Empfangsgerät für innovatives Fernsehen, HD TV, später Ultra HD, oft mit dem vertraglichen Hinweis, ab dem 25. Vertragsmonat einen erheblichen Aufpreis hinnehmen zu müssen.
    Das wird als Strafe für den Fortschritt gewertet, wodurch dann die Anspruchsloseren (bis 50% ) heute sogar noch auf Analog TV ausweichen, oder mit dem notdürftigen SD sich zufrieden geben. Anbieter, wie die Kabel Deutschland versprechen sich doch noch Einspeiseentgelte in wahnwitziger Höhe für Analog, weshalb man es noch 10 Jahre lang ertragen muss und man sich die Bandbreite zu Ungunsten der digitalen Ausnutzung blockiert.

    Eine Schande, die es bei Satellit -TV nicht gibt.

    Bei IP TV vergisst man dass das kein Broadcast mehr ist, bei dem sämtliche Programme im Haus am Multischalter oder in der Wohnung an der Dose anstehen. Hier kann man ohne Behinderung zappen.

    Weh dem, der das bei Vollversorgung mit IP TV versucht, wenn alle das gleiche Einzelereignis sehen möchten und den selben Content und damit Server anwählen würden, er würde mangels Bandbreite am Zuleitungsnetz scheitern. Noch nicht beobachtet? Klar eine 100 % – Auslastung gab noch nie! Aber sie kommt. Dann Heulen und Zähneklappern.

    Ergänzung: Kupfer oder Glas?

    Kupfer liegt, ist noch bei weiten nicht ausgelastet.

    Glas bis ins Wohnzimmer, ein reizvoller Gedanke, aber besteht de gesamte Versorgungsweg aus Glas? Wo ist die Armee von Handwerkern, die Glas verlegen können? Wer bezahlt das in den privaten Bereichen oder beim Gemeinschaftseigentum? In jeder Eigentumswohnanlage ist die Antennenanlage entweder im Gemeinschaftseigentum oder wird angemietet.

    Oder wird mit Signal aus dem Kabelnetz im Hin – und Rückweg gespeist. Mit Verantwortung des Anbieters bis Keller und Verantwortung des Gebäudeeigners bis zur Teilnehmerdose.

    Da gibt es viel zu regeln. Welche Empfangsart ist nun besser?

    Man vertraut dem Fachmann seiner Wahl, der imstande ist, die Freiheit, die Satellit, Terrestrik und Kabel vermittelt, zum Teilnehmer zu liefern, damit dieser eine grosszügige Grundversorgung erhält zum fairen Preis.

    R.Klein

  3. iptvtoday.de | 26. January 2016 at 16:16 |

    Hallo Herr Klein,

    zunächst sei gesagt, egal welchen Fernsehübertragungsweg man auswählt – jeder ist mit Anschaffungen diesbezüglich und Kosten verbunden.

    Pauschal einen bestimmten Ãœbertragungsweg vorzuschlagen, ohne das Budget, den baulichen Umstand sowie die lokale Umgebung und persönliche Preferenzen desjenigen zu kennen, sind aus meiner Sicht verkehrt. Jeder muss einen auf sich und seine Bedüfnisse abgestimmte Variante finden – ggf. auch mit einem Fachmann zusammen. Denn ein Für und Wider – egal bei welchem Übertagungsweg – gibt es immer.

    Viele Grüße.
    IPTVToday-Team

  4. Terrestriker | 30. May 2016 at 08:57 |

    Frühling 2016: DVB-T2 ist am Start und in Ballungsgebieten bereits in 1080p zu empfangen. Also nicht erst wie im Artikel angekündigt erst ab 2018. Außerdem sind RTL und andere Private dabei, in Gebieten wie Meck-Pomm sogar erstmalig zu empfangen. Für die Privaten muss montatlich bezahlt werden, die öffis gibts in 1080p für lau. Receiver gibts ab ca. 40. Euro.

  5. Wir sind TV technisch auch eher ‘wenignutzer’ und daher wollte ich laufende Kosten vermeiden.
    Daher haben wir ne FireTV (Stick kommt bald n neuer).
    Hier gibts zB von pro7Sat1 apps aber auch die ARD Mediathek etc und man kann idR am nächsten Tag viele bis dahin gelaufene Sendungen per Internet umsonst schauen. Hier und da wird Werbung eingeblendet aber es ist weniger als beim normalen Fernsehen und man kann enifach per Fernbedienung jederzeit pause drücken. Für uns ist das ausreichen. Allerdings haben wir als Mieter auch einen Zwangs-Kabelanschluss (kein HD) aber können so ‘immerhin’ hin und wieder mal TV laufen lassen.

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