Konzept und Design
Wie im ersten Teil (Usability am TV) unserer Praxis-Reihe ersichtlich geworden ist, sind die Möglichkeiten der Darstellung und Navigation auf einem Fernseher sehr eingeschränkt. Als Konsequenz muss der Funktionsumfang von TV Applikationen auf das Wichtigste reduziert werden, um die Benutzeroberfläche so einfach wie möglich gestalten zu können.
Ein TV Bildschirm mit Fernbedienung ist eine wesentlich weniger leistungsfähige Mensch-Maschine-Schnittstelle, wie sie bei einem PC vorhanden ist. Das hat Auswirkungen auf die Konzeption und die Gestaltung von interaktiven Applikationen. Für das Interface Design ergeben sich ein paar Regeln, die beachtet werden sollten:
Bildfläche
- Die Bildschirmfläche ist begrenzt, es passen also nur wenige Informationen auf einen Screen. Die Informationen müssen demnach kurz und prägnant sein. Zu viele Elemente auf einem Screen sollten vermieden werden.
- Ein Text muss in kleine Abschnitte unterteilt werden, um die Lesbarkeit zu erhöhen. Bestehende Texte müssen evtl. neu konzipiert bzw. getextet werden.
- Das Scrollen von Texten sollte vermieden werden. Besser ist die Verteilung der Information auf mehrere Seiten.
Schrift / Text
- Die Schriftgröße sollte mindestens 18 punkt sein. Ein Test, ob die Schrift auch aus der Entfernung lesbar ist, ist unerlässlich.
- Die Wahl der Schriftart sollte auf serifenlose Schriften fallen. Hierbei ist zusätzlich zu beachten, dass nicht jede Schriftart auch von jedem Endgerät unterstützt wird. Am besten man wählt eine Standardschrift aus.
- Antialiasing erhöht die Lesbarkeit der Texte, da Störeffekte, die durch einen abrupten Farb- und Helligkeitsübergang an den Rändern entstehen, vermieden werden.
Farbe
- Weißer Text auf blauem Grund bietet die beste Lesbarkeit und den besten Kontrast, ganz im Gegensatz zu Schwarz auf Weiß. Jeder der schon mal länger auf einen hellen Bildschirm geschaut hat, wird dies nachempfinden können.
- Das Verwenden von detailreichen Grafiken sollte vermieden werden, da sie weich gezeichnet dargestellt werden und somit Einzelheiten nicht mehr erkennbar sind.
- Keine maximale Sättigung bei Farben, die nebeneinander liegen. Es kommt sonst zu Störeffekten an den Rändern.
- Farben mit einer besonders hohen Helligkeit, wie reines Weiß oder helles Gelb, wirken nicht besonders gut auf dem TV Bildschirm. Am besten man verwendet etwas dunklere Farben, deren Helligkeit unter 90% liegt.
Zusammenfassend gilt: Das bloße Kopieren von vorhandenen Websites, Designs, Texten oder Konzepten ohne Adaption auf das Endgerät Fernseher, wird nicht funktionieren. Man muss sich detailliert mit den jeweiligen Nutzungsszenarien und den Erwartungen der Nutzer auseinandersetzen.
Des Weiteren muss eine TV Anwendung stets unter realen Bedingungen getestet werden, sprich auf verschiedenen Fernsehgeräten und Set-Top-Boxen.
Autoren: Alex Sieverding, Florian Brandel
Literatur:
Gawlinski, Mark (2003): Interactive Television Production. Focal Press












